Carolin Freimann erhält Förderpreis


Doris Kreuzkamp zeichnet sportlichen und künstlerischen Lebensweg der 16-Jährigen nach

Mit Musik von Vivaldi unterhielt Carolin Freimann, rechts Mechal Borg, nach der Laudatio die Teilnehmer des Stiftermahls der Dammer Bürgerstiftung. Lammert


Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Lebenswegen standen im Mittelpunkt des 16. Stiftermahls der Dammer Bürgerstiftung am Freitag im Restaurant Everding. Einer von ihnen war der erst kürzlich verstorbene Günter Zerhusen, Gründer des Unternehmens Zerhusen Kartonagen.
Seine Familie hat unter dem Dach der Bürgerstiftung im Namen des Verstorbenen den ersten Stiftungsfonds mit einer Summe von 100.000 Euro eingerichtet. Das teilte der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Gerd Muhle, mit. Welche Förderungen geplant sind, will die Familie Zerhusen zusammen mit der Bürgerstiftung demnächst mitteilen.


Ganz besonders viel Beifall gab es auch für die 16-jährige Carolin Freimann, die die Bürgerstiftung mit dem von ihr ausgelobten Förderpreis für junge Talente für ihr vielfältiges Engagement auf sportlichem und künstlerischem Gebiet ehrte.
Die Laudatorin Doris Kreuzkamp, Mitglied der Fachjury, die unter den eingereichten Vorschlägen schließlich Carolin Freimann auswählte, verriet, dass die Musikerin sich mit dem Geld eine eigene Violine kaufen möchte. Das Instrument spielt sie, seit sie 9 Jahre alt ist. Dass sie eine ausgezeichnete Violinistin ist, zeigte Carolin Freimann nach der Laudatio, als sie zusammen mit ihrer Geigenlehrerin Mechal Borg zwei Stücke von Vivaldi spielte.


Carolin Freimanns außergewöhnliches Talent auf der Violine habe sich schnell gezeigt, sodass sie im Rahmen der Förderung der Kreismusikschule Vechta eine erweiterte Unterrichtszeit – 45 statt 25 Minuten – erhält, sagte Doris Kreuzkamp. Seit Herbst 2024 ist sie Mitglied des Jugendsymphonieorchesters Oldenburger Münsterland, dem junge Musiker aus den Landkreisen Vechta und Cloppenburg angehören. Sie geben zwei intensiv vorbereitete Konzerte pro Jahr.


Musikalisch ist Carolin Freimann aber nicht erst seit dem 9. Lebensjahr unterwegs. Mit 6 Jahren begann sie an der Kreismusikschule den Unterricht auf der Sopran- und später auf der Altblockflöte. Mit einem Blockflötenquartett erreichte sie nach Worten Doris Kreuzkamps beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ den ersten und beim niedersächsischen Landeswettbewerb 2023 den zweiten Platz.
Sportlich aktiv ist die Geehrte seit ihrem 5. Lebensjahr. Damals begann sie ihre bis heute andauernde Karriere als Sportakrobatin beim OSC Damme. Zwei Landesmeistertitel habe sie gewonnen, teilte die Laudatorin mit. Zudem ist sie Mitglied der Showtanzgruppe des OSC und der Funkengarde der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614.


Beeindruckend sei die Haltung, mit der Carolin Freimann all diese Aufgaben übernehme, sagte Doris Kreuzkamp. Sie stelle ihre Freizeit zugunsten des Erreichens gemeinsamer Ziele in der Musik und im Sport zurück. Dass sie ihre Talente so entwickeln könne, sei auch möglich, weil ihre Familie sie unterstütze. „Talente sind ein Geschenk. Doch erst durch Fleiß, Ausdauer, Disziplin und Leidenschaft können sie sich entfalten“, sagte Doris Kreuzkamp.


Ebenfalls viel Talent zeigte die aus jungen Dammer Musikern bestehende Folk-Nachwuchsband Fokado der Kreismusikschule, die den Abend unter anderem mit britischen und irischen Folksongs unter der Leitung Rita Klinkerts gestaltete. Hier schloss sich in gewisser Weise ein Kreis. Denn Rita Klinkert war die erste Lehrerin Carolin Freimanns an der Kreismusikschule.


Sehr bewegt verfolgten die Teilnehmer des Stiftermahls den Vortrag Thomas Wedigs aus Vechta, der als Sportler erfolgreich war und sich nach der Amputation seines linken Unterschenkels im Jahr 2014 wieder in ein erfolgreiches Sportlerleben zurückkämpfte und schließlich sogar an dem aus dem Fernsehsender RTL bekannten Wettkampf Ninja Warrior teilnahm. Er wolle den Menschen sagen, sie sollten sich in schweren Krisen nicht hängenlassen, lautete das Credo des Redners, der auch ein bisschen mehr Dankbarkeit und Demut von den Menschen einforderte.
Gerd Muhle teilte mit, dass sich das Stiftungskapital inzwischen auf rund 773.000 Euro beläuft. Davon stammten rund 33.000 Euro aus Zustiftungen. Die Zahl der Zustifter liege bei 101, sieben mehr als Ende 2025. Im vergangenen Jahr habe die Bürgerstiftung fast 38.500 Euro an Fördermitteln für Projekte ausgezahlt, unter anderem weitere 5000 Euro für Spielgeräte in der Innenstadt. In diesem Jahr seien bislang knapp 21.000 Euro bewilligt, so 4500 Euro für neue Uniformen des Kolpingsorchesters.


Der Vorsitzende wies ferner darauf hin, dass das nächste Weihnachtliche Stiftungskonzert am 5. und 6. Dezember 2026 in der Scheune Zerhusen stattfinden wird. Es ist das 13. Konzert. Organisieren werden es Christine Grimme, Gudrun Arkenberg und Heiko Maschmann.


Mit freundlicher Genehmigung der Oldenburgischen Volkszeitung, Artikel vom 16. Juni 2026

Gerd Muhle (rechts, Vorsitzender der Bürgerstiftung) dankte Thomas Wedig für seinen Vortrag darüber, wie er sich nach einer Unterschenkelamputation ins Leben zurückgekämpft hat. Lammert